Arbeitsmarktkampagne von Kirche und Diakonie beendet
Sensibilität für das Thema Arbeit und Arbeitslosigkeit geschärft
Superintendent Armin Schneider; Foto: privat
Superintendent Pfarrer Armin Schneider zum Abschluss der Kampagne "Ich will arbeiten", die evangelische Kirche und ihre Diakonie in Duisburg von der Passionszeit 2011 bis zur Passionszeit 2012 durchführten:
„Die Arbeit gehört zum Menschen wie zum Vogel das Fliegen" heißt ein wichtiger Satz der christlichen Tradition, der sich in dieser Form zum ersten Mal bei Martin Luther findet. Nach christlichem Verständnis gehört es zur Würde des Menschen, dass er sich seinen Lebensunterhalt durch seiner Hände Arbeit verdienen kann. Und wo Menschen daran gehindert werden, durch Umstände, die sie selbst nicht zu verantworten haben, da werden sie in ihrer Würde verletzt."
"Die Erfahrung lehrt uns, dass es eine Illusion ist zu meinen, dass allein der Markt, das freie Spiel der Kräfte in der Lage sei, das Menschenrecht auf Arbeit umfassend einzulösen. Deshalb ist es ja eine alte Forderung der Kirchen, dass wir einen zweiten Arbeitsmarkt brauchen, dass es also notwenig ist, mittels staatlicher Instrumentarien den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erweitern – eben im Sinne einer öffentlich geförderten Beschäftigung. Deshalb war das auch eine der Forderungen unserer Kampagne „Ich will arbeiten“."
"Wie bitter notwendig ein zweiter Arbeitsmarkt mit öffentlich geförderter Beschäftigung wäre, sehen wir doch gerade in einer Stadt wie Duisburg. Unter den Arbeitslosen gibt es doch gerade in unserer Stadt besonders viele Problemgruppen, die gar nicht so ohne weiteres in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln sind; also: Menschen ohne Schul- oder Berufsabschluss und Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten, wie beispielsweise Suchterkrankungen, Wohnungslosigkeit oder Migrationshintergründen, - das sind die Menschen, die am härtesten getroffen werden. Und was das für die Betroffenen bedeutet, für die Kinder, die Jugendlichen, die Familien, - das bekommen wir doch im Alltag hautnah mit. Wir begegnen ihnen ja tagtäglich in unseren Gemeinden und diakonischen Einrichtungen. Wir wissen, was in den Quartieren los ist. Und hier erleben wir doch auch, dass Arbeit zu haben, mehr bedeutet, als nur die Sicherung der materiellen Existenz. Arbeit zu haben bedeutet Anerkennung, schafft Selbstbewusstsein – und ermöglicht vor allem die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
"Wir können und wir werden uns als Evangelische Kirche nicht damit abfinden, dass in unserer Stadt viel zu viele Menschen von der vollen Teilhabe am Leben des Gemeinwesens ausgeschlossen sind. Gerade ihnen muss unser besonderes Augenmerk gelten. Und gerade für sie haben wir eine – in unserer Tradition gut begründete anwaltschaftliche Funktion. Da haben wir in der Vergangenheit schon öfter den Finger in die Wunden gelegt, - ich erinnere an das gemeinsame Adventswort der Evangelischen und Katholischen Kirche in Duisburg im Advent 2010 oder an die ebenfalls gemeinsame Aktion „Der Armut die rote Karte“ – da sind wir in der Vergangenheit unserer anwaltschaftlichen Funktion nachgekommen – und das werden wir auch in Zukunft tun."
"Ich denke, wir haben einen langen Atem bewiesen und sind kontinuierlich am Ball geblieben. Nehmen Sie etwa nur die monatlichen Veröffentlichungen der Arbeitslosenstatistik durch die Agentur für Arbeit – Die haben wir Monat für Monat kommentiert. Die Kampagne ein ganzes Jahr lang durchgehalten zu haben, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Ich denke, es ist uns gelungen, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Aber es hat auch eine Wirkung nach innen gehabt; dass nämlich die Sensibilität für das Thema Arbeit und Arbeitslosigkeit in den Gemeinden und kreiskirchlichen Einrichtungen erneut geschärft worden ist. Einen öffentlich geförderten zweiten Arbeitsmarkt, so wie wir ihn uns wünschen und so wie er notwendig wäre, haben wir natürlich nicht erreicht. Aber wir bleiben am Ball. Unsere Kampagne „Ich will arbeiten“ geht jetzt so wie geplant zu Ende. Aber Sie können sicher sein, dass wir uns – gerade zu diesem Thema -auch in Zukunft zu Wort melden werden."
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27.03.2012,
RS